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für das
von

Trio Festivo
Roger Cahn

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Anlässlich des 20 Jahre Konzerts vom Trio Festivo  im Rahmen der Musikfesttage Wallisellen vom 23. August 2007 an dem auch die neuste CD vorgestellt wurde.

 

Vor 20 Jahren fanden sich drei Kollegen nach erfolgreichem Abschluss ihrer Studien zusammen und gründeten ein Trio mit dem anspruchsvollen und damals mutigen Ziel, einen – wie sie es formulierten – „Brückenschlag zwischen E- und U-Musik zu wagen.“ Mutig war sicher schon die Zusammenstellung der Instrumente: nicht ein klassisches Klaviertrio mit Violine sollte es sein, sondern die eher ungewöhnliche Kombination von Klavier, Cello und Klarinette.

Wenden wir uns kurz der Charakteristika jedes einzelnen Instruments und dessen Spieler zu. Beginnen wir mit dem „Exoten im Umzug“, mit der Klarinette.

Das Produkt aus der Firma „Denner“ in Leipzig ist ein überwiegend zylindrisch gebohrtes Holzblasinstrument, das am unteren Ende parabolisch verläuft, und aus Schnabel, Birne, oberem und unterem Mittelstück und Schallbecher besteht. Auf der geschliffenen Bahn des Mundstücks wird eine einfache, aufschlagende Zunge aus Bambus durch Fadenwicklung oder eine Metallschnalle als Schwingungserreger befestigt. Je nach Individualität des Bläsers und seinen Fähigkeiten können Intonation, Ambitus und Klangfarbe deutlich voneinander abweichen. Was Daniel Schnyders Individualität angeht, erleben wir als Zuhörer immer wieder Überraschendes – und dies stets auf höchstem Niveau an Musikalität und Virtuosität (in dieser Reihenfolge).

Beim Klavier ist die Charakterisierung von Instrument und Spieler bedeutend komplexer. Erst im 19. Jahrhundert wurde nämlich der Begriff „Klavier“ für besaitete Tasteninstrumente mit Hammertechnik angewendet. Zuvor bezeichnete der Ausdruck „Claves“ – für das damaliger Clavier mit C –, sowohl die Tangenten der Radleier als auch die Tasten der Orgel. Auch bei Roland war die Entwicklung komplex: Erst spielte er virtuos Klassiches als Guéneux, dann zeitweilig als Guéneux und Raphael zugleich. Heute hat er sich für den Typus „Raphael“ definitiv entschieden, was gleichbedeutend ist mit perlendem Spiel, brillanter Technik und höchst differenzierter Anschlagskultur.

Einfacher ist die Geschichte beim Cello. Der Name für das Tenor-Bass-Instrument der Viola da Braccio-Familie lässt sich zwar erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nachweisen, das Instrument hingegen ist bereits eine Jahrhundert früher bekannt. Seine heute gültigen Masse (Korpuslänge 75 – 76 cm, Zargenhöhe 11,5 cm) wurden von keinem Geringeren als Stradivari 1710 festgelegt: In den ersten zwölf Jahren war bei den „Festivi“ das Instrument in den festen Händen von Jürg Eichenberger, der es mit solider Erdverbundenheit voll zum Klingen zu bringen wusste. Seit 1999 hebt das Cello gerne auch mal ab und rückt ins Zentrum des Zuschauer-Interesses: Mit Bettina Macher hielt die holde Weiblichkeit im Trio Einzug und sorgt bei den Auftritten für Spannung und akustische wie visuelle Höhenflüge.

Drehen wir das Rad der Geschichte um 20 Jahre zurück und werfen einen Blick ins Gründerjahr des heute jubilierenden „Trio Festivo“: 1987 war ein Jahr, das man in seiner wahren Bedeutung eigentlich erst heute so richtig zu würdigen weiss.

  • Mikhail Gorbatschow und Ronald Reagan unterzeichneten in Washington ein Abkommen über die gegenseitige Abschaffung atomarer Mittelstreckenraketen. Damit leiteten sie vertraglich – etwas salopp formuliert – das Ende der kommunistischen Herrschaft und die heute viel gepriesene Globalisierung unserer Welt ein.

  • Im Herbst 1987 begann die Intifada, deren Auswirkungen wir heute den weltweiten Terrorismus und eine völlig veränderte Haltung der Menschen dem Thema „Sicherheit“ gegenüber verdanken.

Zu den weniger fundamentalen Ereignissen zählten etwa

  • die Geburt des fünftmilliardsten Menschen in Zagreb,

  • die stratosphärischen Zahlen zwischen 70 und 90 Millionen Mark, die bei Auktionen in London und New York für die „Sonnenblumen“ und die „Schwertlilien“ von Vinzenz van Gogh bezahlt wurden,

  • die erste Aufführung der „Aida“ unter den Pyramiden von Luxor

  • der Rücktritt der Bundesräte Kurt Furgler und Alphonse Egli, die durch Flavio Cotti und Arnold Koller ersetzt wurden,

  • die Ski-WM in Crans-Montana, bei der Zurbriggen, Müller, Walliser, Hess & Co. Acht von zehn Titeln gewannen

  • oder das Ja des Schweizer Volkes für die Verschärfung des Asylgesetztes

Doch fragen wir uns hier und heute: Was bedeuten 20 Jahre „Trio Festivo“ für das Schweizer Musikleben?

Auf einen kurzen Nenner gebracht „weg von eingefahrenen Pfaden und hin zu neuen Ufern“.

Basis für diese Entwicklung bildeten und bilden noch heute Präzision, Feilen am Klang, Pflege des Zusammenspiels auf hohem Niveau oder – wie sie es fachlich formulieren: „Ständige Auseinandersetzung mit den musikalischen Parametern Tonlänge, Tonstärke, Tonhöhe, Tonfarbe, welche einzeln ausgelotet und in ihrer Struktur verstanden sein müssen, um dann im Verbund perfekt abgestimmt zu werden.“

Der Weg, den sie beschreiten: Sie möchten Musik als Energieträger einsetzen und so sich selbst wie dem Publikum Freude an der Musik vermitteln. Etwas einfacher formuliert: Das „Trio Festivo“ hat seinen Blick stets auf ein breites Publikum ausgerichtet, dem es musikalische Leckerbissen servieren möchte.

Als Ziel wollen sie Welten verbinden, E- und U-Musik. Seit 20 Jahren kultivieren sie gepflegten Crossover. Und dies an gewohnten wie ungewohnten Orten und in überraschenden Kombinationen: konzertant in klassischen Konzertsälen, mit Pferden beim CSI im Hallenstadion, mit Literatur oder Folklore an Weihnachtskonzerten oder openair – Sie werden heute Abend im zweiten Teil des Programms einige Muster und Müsterchen selbst erleben oder wieder erleben – oder im individuell ausgerichteten kleinen, feinen Rahmen. Wo auch immer sie auftreten: die künstlerische Qualität bleibt konstant, höchstens äussere akustische Bedingungen können inspirierend oder störend wirken.

Flexibilität heisst ein weiteres, wichtiges Merkmal des jubilierenden Trios und zwar Flexibilität sowohl bei der Programmauswahl wie bei der Gestaltung jedes einzelnen Konzerts. Dazu vielleicht zwei von mir persönlich initiierte und mitverantwortete Auftritte: Beim Jubiläum „250 Jahre Bank Leu“ rückte – ähnlich wie auf der CD „Tonarten und Klangwelten“ – Zürich mit selten bis nie gehörten Delikatessen von Richard Wagner bis Hans Moeckel ins musikalische Zentrum. Bei einem Konzert unter dem Motto „Classic meets Folklore“ musizierten die Festivi zusammen mit einem Ländlerquartett und näherten sich jeweils von der eigenen Identität ausgehend immer mehr dem Stil des andern an, was darin gipfelte, dass der Ländler-Klarinettist den langsamen Satz des Mozart-Konzerts spielte und Daniel Schnyder eine daraus entwickelte virtuose Kadenz als perfekter Ländlermusiker hinfegte.

Diese Flexibilität verdankt das „Trio Festivo“ seinem reichen Repertoire, zum grössten Teil arrangiert von Dalibor Brazda, dem guten, meist unsichtbaren Geist im Hintergrund. Sein Tod vor zwei Jahren hinterliess eine nicht leicht zu schliessende Lücke.

Kommen wir zum Schluss zum heute, zum nach 20 Jahren „Trio Festivo“ vorliegenden Resultat. Die NZZ schrieb anlässlich eines Konzerts in der Tonhalle „in seinem Repertoire konnte das virtuose Trio auf seine langjährige Erfahrung bauen und mit Temperament, Charme und Witz aufspielen. Wie perfekt die (intuitive) Verständigung unter den drei Musikern funktioniert, zeigte sich in den Klangbalancen wie in den agogischen und rhythmischen Finessen.“

In Facts und Figures ausgedrückt heisst das:

Über 1000 erfolgreiche Konzerte, davon zwölf Tourneen in Japan, wo sie jeweils vor 1000 bis 3000 begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörern aufgetreten sind. 13 CDs mit über 200 Titeln aus Klassik, Salonmusik, Klezmer, Tango, Rumba&Samba bis hin zu Jazz und Blues.

Und für mich ganz entscheidend: Seit 20 Jahren verkörpern Roland Raphael, Daniel Schnyder, Jürg Eichenberger und seit acht Jahren Bettina Macher in beinahe idealer Weise das Bild des heutigen Musikers. Nicht nur perfekte Interpreten sein, sondern eigenständige und eigenwillige Unternehmer in der Welt der Musik. Oder wie sie es selbst formulieren: „Das Trio Festivo ist ein Dienstleistungsbetrieb, der unzählige Gefühlsbereiche anspricht und damit in erster Linie vorbehaltlos Freude vermitteln will.“

Macht weiter so, liebe Festivi. Bitte. Ich gratuliere von ganzem Herzen zum heutigen Jubiläum und wünsche viel Erfolg zumindest für die nächsten 20 Jahre.

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